Sylwester schaute sich um: im flackernden Licht konnte er lediglich die Umrisse der Ölkneipenbesucher erkennen…er sah nach links und nach rechts, leichte Verunsicherung machte sich breit und wuchs zur handfesten Panik heran: C war verschwunden. Hinausgerollt um sich eine Kippe bei den draußen rauchenden zu schnorren, müsste er schon längst wieder aufgetaucht sein, jedoch konnte Fundig ihn nirgendwo ausfindig machen. Langsam stand er von seinem Stuhl auf, streckte sich ein wenig denn die lange Fahrt durch Raum und Zeit saß ihm noch in den Knochen, und machte sich auf die Suche. Vorsichtig bahnte er sich seinen Weg, öffnete die schwere Metalltür mit einem lauten Quietschen und schon stand er draußen, geblendet von der fremden Sonne, viel heißer als er es von zu Hause gewohnt war durchdrangen die Strahlen seine Kleidung und sorgten für Wärme bis in die Zehenspitzen. Es war ungewöhnlich hell, nicht ein Schatten zu sehen, stellte Fundig verwundert fest, alles um ihn herum schien um die Wette zu leuchten. Um die Ecke erkannte er das Grüppchen Raucher wieder, einige gestikulierten wild mit ihren Metallarmen, manche drehten ihren Oberkörper um die eigene Achse, mehrmals im Kreis, hörten abrupt auf und wirbelten dann mit dem Kopf umher. Es sah schwer nach Streit aus. Herr Fundig traute sich kaum in die Nähe der Robos zu gehen, er konnte allerdings aus der Ferne auch nicht erkennen, ob sich in dem Gewirr aus Metallarmen, -beinen und –köpfen nicht doch irgendwo wenigstens ein Teil von C versteckt hatte.
Vorsichtig und langsam begann er in Richtung der Streithähne zu laufen, blieb einige wenige Meter vor ihnen stehen und holte tief Luft: „Entschuldigung.“ Sie bemerkten ihn gar nicht, knirschten und zischten fröhlich weiter während sich die Metallmasse auf ihn zuzubewegen schien. Räuspern, nochmal versuchen. „Entschuldigt bitte!“ Nun schauten zwei der Roboter auf, einer hatte die Kippe noch im Mundwinkel hängen, spuckte sie auf den Boden, leuchtete kurz mit seinen gelben Augen auf und murmelte, sehr zu Herrn Fundigs Überraschung „Wasn?“ „Habt ihr die Güte, mir zu antworten, bitte, hat einer der werten Herren einen Roboter namens C gesehen?“ „Diese verdammte Blechbüchse!“ „Er ist an allem Schuld!“ Die Robotermasse wirbelte noch aufgeregter als zuvor, schien nun sogar größer zu werden. „Herr Fundig wich einen Schritt zurück „Entschuldigung, ich wollte ja nicht…“ „Verzieh dich mal lieber, Unförmiger!“ Offenbar war C nicht unter den kämpfenden Robotern, sie alle jedoch blinkten aufgeregt und fluchten wie Seemänner wenn sie seinen Namen hörten. Noch weiter zurückweichend wurde Sylwester das Ausmaß seiner Lage bewusst. Absolut fremd, er hätte noch nicht einmal sagen können, wo sie das BFO abgestellt hatten, fühlte er sich innerlich ebenso verloren wie er es tatsächlich auf diesem fremden Planten war, war ihm doch gerade seine einzige Bezugsperson, der vermeintlich freundliche Roboter, abhanden gekommen. Er entfernte sich von der kämpfenden Gruppe nachdem mehrere Versuche etwas über C´s Aufenthaltsort zu erfahren fruchtlos geblieben waren, und ging langsam, schwankend vor Unsicherheit in Richtung Straße, vorbei an dem Seiteneingang des Gasthauses, ach, dort hinten war also ein Parkplatz, schließlich die glänzenden Schienen, er schnaufte, denn unter dem Raumanzug den er von C bekommen hatte, wurde es langsam heiß. So stand er also an den Schienen, neben einem Kasten dessen Zweck er nicht erraten konnte und hoffte verzweifelt optimistisch es möge sich um eine Art Bushaltestelle handeln, eine Straßenbahn würde vorbeifahren mit einem zuvorkommenden Schaffner, der ihm Auskunft geben würde, wohin sich jemand, so verloren wie er, begeben könnte. Eine lange Weile geschah absolut nichts. Die Robos um die Ecke hatten sich scheinbar vertragen, eine Menge Öl bestellt und kippten es nun feuchtfröhlich ihre glänzenden Kehlen hinunter, schon bald konnte man hören, wie der erste seine Musikfunktion einschaltete und nach und nach ertönte ein Konzert aus fürchterlichster Robomusik. Fundig war mittlerweile nicht nur heiß und schwindelig sondern auch schlecht, er überlegte, zurück zu gehen und sich erstmal in der Gaststätte zu übergeben, da hielt neben ihm plötzlich ein BFO, viel größer als das mit dem er mit C durch die Stadt gefahren war, quietschend und eine beachtliche Menge an Abgasen absondernd „Ach, ein Illegaler?“ fragte der Mutant hinterm Steuer. „Ähm, nun ja…“ Fundig war sich nicht sicher, er kam sich aber tatsächlich wie ein Illegaler vor. „Der Sturm kommt bald, soll ich Sie irgendwohin mitnehmen?“ In ein verständnisloses Gesicht blickend erklärte das Wesen: „Laut der heutigen Systemdurchsage werden ab 19 Uhr Magnetstürme erwartet, Sie dürfen sich dann nicht mehr draußen aufhalten. Kommen Sie. In der Gartenlaube können Illegale eine Nacht lang bleiben, ohne dass jemand Fragen stellt. Danach, mein Freund, wird das System Sie aufspüren, damit müssen Sie rechnen. Wenn Sie ein Teilroboter sind und nur einen Ihrer Chips verloren oder beschädigt haben, gar kein Problem. Dann biste morgen wieder wie neu. Sollten Sie aber ein nicht registrierter Mensch oder Mutant ohne zugewiesene Funktion sein, na, das heißt dann wohl Werkstattplanet.“ Er sah Sylwester nachdenklich an „In letzter Zeit passieren viele Fehler. Ich habe noch nie so viele Illegale durch die Straßen kutschiert wie in den vergangenen Tagen.“ Für den war das alles schon wieder zu viel, er bekam weiche Knie und setzte sich ins BFO bevor er noch umkippte. „Ich sehe schon, wir haben keine Taler. Ja, mein gutes Herz…sagen wir, die erste Fahrt ist umsonst.“ Und das BFO beschleunigte aus dem Stand in eine enorme Geschwindigkeit, so dass es Herrn Fundig in den Sitz drückte. Es dauerte gerade einmal wenige Sekunden schon waren sie da. So schnell, dass Fundig keine Zeit hatte, seine Gedanken zu sortieren. „So, da wären wir“ sagte das freundliche Wesen und öffnete die Tür mit einem der Schalter an seinem Lenkrad. „Leider habe ich nicht viel Zeit, die Arbeit ruft“ sagte er und schaute auf einen kleinen Monitor auf dem eine Stadtkarte zu sehen war auf der sich leuchtende Punkte in verschiedenen Farben bewegten. „Wünsche alles Gute und viel Glück!“ und mit diesen Worten brauste er davon.